Verlustvortrag

Ein Verlustvortrag erfolgt, soweit ein Verlust aus einer Einkunftsart weder mit anderen positiven Einkünften im gleichen Veranlagungszeitraum verrechnet werden kann (Verlustausgleich) noch mit solchen im unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraum (Verlustrücktrag).

Verlustvortrag

Soweit ein Verlust weder durch Verlustausgleich im gleichen Veranlagungszeitraum noch durch Verlustrücktrag auf den unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraum vollständig verrechenbar ist, erfolgt automatisch und zwingend ein Verlustvortrag auf das Folgejahr. Dies geschieht so lange, bis der Verlust mit positiven Einkünften aus der gleichen oder aus einer anderen Einkunftsart verrechnet werden kann. Ein Verlustvortrag führt also zur Konsequenz, dass ein Verlust aus einem Gewerbebetrieb oder aus einer selbständigen Tätigkeit (z.B. als Freiberufler oder Künstler) erst in den folgenden Jahren das zu versteuernde Einkommen mindert und ggf. zu einer tatsächlichen Steuerentlastung führt.

Verlustfeststellungsbescheid

Dies geschieht durch einen Bescheid über die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags, der den verbleibenden Verlustvortrag betragsmäßig beziffert (§ 10d Abs. 4 EStG). Hierin wird vom Finanzamt jeweils die Summe der Verluste festgestellt, die

  • weder im Entstehungsjahr der Verluste mit positiven Einkünften ausgeglichen werden kann,
  • noch mit positiven Einkünften im unmittelbar vorangegangenen Veranlagungsjahr und
  • ggf. erhöht wird, falls ein verbleibender Verlustvortrag aus dem Vorjahr mit einem nicht verrechenbaren Verlust im Veranlagungszeitraum zusammenfällt.

Sobald sich die Summe der Verluste in einem Veranlagungszeitraum durch einen Verlustausgleich ändert, ist der Verlustfeststellungsbescheid aufzuheben oder an die neue Summe anzupassen.

Verlustverrechnung in Folgejahren und Mindestbesteuerung

Soweit im Folgejahr ein positiver Gesamtbetrag der Einkünfte vorhanden ist, wird die im Verlustfeststellungsbescheid bezifferte Summe der Verluste gem. § 10d Abs. 2 EStG zunächst hiermit verrechnet, und zwar vor Abzug der Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und sonstigen Abzugsbeträgen. Dies gilt auch dann, wenn der Gesamtbetrag der positiven Einkünfte in den Folgejahren unterhalb des Grundfreibetrags liegt (BFH, Urteil vom 26.7.2005, XI B 93/03).

Soweit in den Folgejahren ein positiver Gesamtbetrag der Einkünfte gegeben ist, erfolgt bis zu einem Betrag von 1 Million Euro eine unbeschränkte Verlustverrechnung, darüber hinaus bis zu 60% des 1 Million Euro übersteigenden Gesamtbetrags der Einkünfte. Bei zusammenveranlagten Ehegatten erhöht sich der verrechenbare Betrag auf 2 Millionen Euro.