Mehrwertsteuer

Die Mehrwertsteuer ist eine andere gebräuchliche Bezeichnung der Umsatzsteuer, die der Unternehmer für einen getätigten Umsatz durch den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen gegenüber dem Empfänger der Leistungen durch Ausweis in der Rechnung erhebt und dann an das Finanzamt abführt.

Seit 01.01.2007 beträgt der Steuersatz 19%. Für bestimmte Wirtschaftsgüter gibt es einen ermäßigten Steuersatz in Höhe von 7%. Dieser gilt insbesondere für Lebensmittel, Zeitschriften und Bücher sowie künstlerische Leistungen.

1. Allgemeines und Begriffe

Die Umsatzsteuer ist vom System her so angelegt, dass sie wirtschaftlich vom Endverbraucher, d.h. dem Konsumenten, getragen wird. Verantwortlich für die ordnungsgemäße Berechnung, Erhebung und Abführung an das Finanzamt sind jedoch die Unternehmer, die ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen und damit einen Umsatz ausführen.

Soweit ein Unternehmer an andere Unternehmer für den Bezug von Wirtschaftsgütern oder Dienstleistungen Umsatzsteuer zu zahlen hat, nennt man diese Vorsteuer. Der Unternehmer ist nunmehr berechtigt, die von ihm bezahlte Vorsteuer mit der erhaltenen Umsatzsteuer zu verrechnen. Die Differenz muss der Unternehmer im Rahmen von Umsatzsteuer- Voranmeldungen dem Finanzamt melden und dann innerhalb vorgegebener Termine abführen.

Beispielsfall (stark vereinfacht):

Ein Unternehmer hat im Voranmeldungszeitraum Januar 2008 Umsätze in Höhe von 100.000 € mit einem Steuersatz von 19% ausgeführt. Hieraus vereinnahmt er also Umsatzsteuern in Höhe von EU 19.000 €. Im gleichen Zeitraum hat er selbst Rechnungen über empfangene Leistungen erhalten, in denen ihm gegenüber Umsatzsteuern (Vorsteuerbeträge) in Höhe von insgesamt 12.500 € ausgewiesen sind. Es errechnet sich für ihn also eine Zahllast für den Voranmeldungszeitraum Januar 2008 in Höhe von EUR 6.500 €, die er dem Finanzamt mittels einer Umsatzsteuervoranmeldung für Januar 2008 meldet und dann abführt.

2. Geschichte der Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer)

Eine Abgabe in Form der Umsatzsteuer gab es schon im Altertum und wurde damals als Verbrauchsabgabe bezeichnet, in der Karolingerzeit zum Teil unter dem lateinischen Sammelbegriff teloneum (für Zölle, Gebühren, Verkehr- und Verbrauchsteuern). In den mittelalterlichen deutschen Städten haben sich dann aus dem Umsatz- oder Pfundzoll des 12. und 13. Jahrhunderts in Verbindung mit verschiedenartigen Marktabgaben die so genannten Um- oder Ungelder als allgemeine oder spezielle „Umsatzgelder“ mit Steuercharakter entwickelt. Vom 15. Jahrhundert an unter dem Namen „Akzisen“ in zahlreiche Einzelverbrauchsteuern zerfallend, setzte sich die Idee einer umfassenden Generalakzise bis zur Ablösung der Akzisen im 19. Jahrhundert durch die modernen Verbrauchsteuern nicht mehr durch.

Im Ersten Weltkrieg wurde das System der Umsatzsteuer wieder aufgegriffen und in 1916 im Rahmen des Reichsstempelgesetzes in Form eines Warenumsatzstempels als Steuer auf Warenlieferungen wieder eingeführt. In 1918 wurde mit dem Umsatzsteuergesetz das System der Allphasen-Bruttoumsatzsteuer eingeführt, das bis Ende 1967 beibehalten wurde. Der ursprüngliche Steuersatz von 0,5 Prozent stieg nach wiederholten Änderungen 1935 auf 2 Prozent, 1946 auf 3 Prozent und 1951 auf 4 Prozent an.

Die wichtigste Zäsur in der Geschichte der deutschen Umsatzsteuer bildet das Umsatzsteuergesetz von 1967 mit dem Übergang zum System der Mehrwertsteuer mit Vorsteuerabzug und war die Folge der Harmonisierung der Umsatzsteuern innerhalb der Europäischen Gemeinschaften. Auch alle anderen Mitgliedstaaten haben eine Umsatzsteuer nach dem System der Mehrwertsteuer mit Vorsteuerabzug eingeführt.

Eine weitere Harmonisierung der Umsatzsteuern erfolgte am 17. Mai 1977 mit der Verabschiedung der 6. Richtlinie zur Harmonisierung der Umsatzsteuern. Diese Richtlinie bildet zugleich die Grundlage für die Berechnung der eigenen Einnahmen der Gemeinschaft aus dem Umsatzsteueraufkommen der Mitgliedstaaten. Sie enthält aus diesem Grunde umfassende Regelungen zur Abgrenzung der Umsätze und über die Bemessungsgrundlagen für die Umsatzsteuer und legt außerdem den Umfang der Steuerbefreiungen für alle Mitgliedstaaten verbindlich fest.

Durch die am 1. Januar 1980 in Kraft getretene Neufassung des Umsatzsteuergesetzes sowie durch die Einführung der Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung (UStDV) und der Einfuhrumsatzsteuer-Befreiungsordnung ist das deutsche Umsatzsteuerrecht an die Richtlinie angepasst worden.