Einzelunternehmen

Das Einzelunternehmen ist die Rechtsform einer einzelnen natürlichen Person, wenn diese mit einer gewerblichen, freiberuflichen oder landwirtschaftlichen Tätigkeit selbständig tätig wird. Träger von Rechten und Pflichten wird der Inhaber des Einzelunternehmens, also der Einzelunternehmer oder die Einzelunternehmerin.

Inhalt:

  1. Wer kann Einzelunternehmer/in werden
  2. Vor- und Nachteile des Einzelunternehmens
  3. Gründung des Einzelunternehmens
  4. Kaufmann/Kauffrau
  5. Freiberufler und Künstler
  6. Besteuerung des Einzelunternehmers

1. Wer kann Einzelunternehmer/in werden

Einzelunternehmer/in kann jede natürliche Person werden, die sich mit einer

Tätigkeit selbständig macht. Voraussetzung einer selbständigen Tätigkeit ist, dass sie eigenverantwortlich, nachhaltig und mit Gewinnerzielungsabsicht verfolgt wird.

Insbesondere beim Einzelunternehmer mit nur einem Auftraggeber besteht die Gefahr, dass eine eigenverantwortliche Tätigkeit nicht vorliegt. Man spricht dann von einer Scheinselbständigkeit. Um eine solche Annahme zu vermeiden, muss im Einzelnen gewährleistet sein, dass der Auftragnehmer die freie Entscheidungsmöglichkeit über

  • Arbeitsort und Arbeitszeit behält,
  • die Art und Weise seiner Tätigkeit bestimmt und
  • nicht in die Arbeitsorganisation des Auftraggebers eingegliedert wird.

Diese Kriterien dürfen in dem Vertrag zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer keinesfalls eingeschränkt werden, unabhängig davon, welche Bezeichnung die Parteien für den Vertrag wählen.

2. Vor- und Nachteile des Einzelunternehmens

Das Einzelunternehmen ist die klassische Rechtsform für Existenzgründer, die sich ohne weitere Partner selbständig machen wollen. Gegenüber der GmbH zeichnet sich das Einzelunternehmen vor allem durch

  • geringe Gründungskosten,
  • einfaches Handling und
  • eine flexible Gestaltung der Finanzen

aus.

Der entscheidende Nachteil des Einzelunternehmens besteht jedoch darin, dass die Haftung der Inhaber nur vertraglich beschränkt werden kann und spezifische Unternehmensrisiken durch eine entsprechende Haftpflichtversicherung abzusichern sind. Da nicht alle unternehmerischen Risiken durch entsprechende Versicherungen abgedeckt werden können, reift bei vielen Einzelunternehmern früher oder später der Wunsch, das Einzelunternehmen in eine GmbH umzuwandeln.

3. Gründung des Einzelunternehmens

Für die Gründung eines Einzelunternehmens ist weder ein formeller Rechtsakt noch ein Mindestkapital oder eine Eintragung im Handelsregister erforderlich. Vielmehr entsteht das Einzelunternehmen automatisch mit Aufnahme der selbständigen Tätigkeit. Für eine gewerbliche Tätigkeit bedarf es jedoch trotz Gewerbefreiheit in Deutschland eines Gewerbescheins, sowohl im Falle einer erlaubnisfreien als auch im Falle einer genehmigungspflichtigen Tätigkeit. Träger von Rechten und Pflichten wird der Inhaber bzw die Inhaberin des Einzelunternehmens, die im Falle einer Verbindlichkeit mit ihrem gesamten Vermögen haften, das nur für steuerrechtliche Zwecke in Privat- und Betriebsvermögen unterteilt wird.

4. Kaufmann/Kauffrau

Kaufmann wird ein Einzelunternehmer, wenn

  • er einen nach Art und Umfang in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb führt oder
  • unter seinem Firmennamen im Handelsregister eingetragen wird.

Hinsichtlich der Firmierung des Einzelunternehmens kann der Einzelunternehmer – vorbehaltlich einer Kennzeichnungs- und Unterscheidungskraft – wählen zwischen

  • einer Personenfirma unter seinem Vor- und Familiennamen,
  • einer Sachfirma unter Verwendung des Unternehmensgegenstands oder
  • einer Phantasiebezeichnung.

5. Freiberufler und Künstler

Wer einen

  • in § 18 EStG genannten Katalogberuf,
  • anerkannten ähnlichen Beruf oder
  • eine künstlerische Tätigkeit

ausüben will, darf sich Freiberufler nennen und im Rahmen des Steuerrechts einige Erleichterungen in Anspruch nehmen.

6. Einzelunternehmen und Steuern

Bei der Besteuerung des Einzelunternehmens ist zu unterscheiden zwischen Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer.

Im Rahmen der Einkommensteuer erfolgt die Besteuerung der Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder aus der freiberuflichen, künstlerischen bzw. landwirtschaftlichen Tätigkeit direkt beim Inhaber des Einzelunternehmens. Die Ermittlung der Einkünfte erfolgt in der Regel durch Betriebsvermögensvergleich, d.h. durch Aufstellung eines Jahresabschlusses, bestehend aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung. Im Falle einer freiberuflichen oder künstlerischen Tätigkeit bzw. bei geringen Umsätzen und Gewinnen ist gem. § 4 Abs. 3 EStG auch eine Gewinnermittlung durch Einnahmen-Überschussrechnung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck (= Anlage EÜR) ausreichend.

Ob ein Einzelunternehmen der Gewerbesteuerpflicht unterliegt, hängt wiederrum davon ab, ob es sich um einen Gewerbebetrieb oder um einen Freiberufler, Künstler oder Landwirt handelt.

Im Rahmen der Umsatzsteuer gelten für Einzelunternehmen die allgemeinen Grundsätze und Bestimmungen des Umsatzsteuergesetzes (UStG), unabängig davon, ob es sich um eine gewerbliche, freiberufliche, künstlerische oder landwirtschaftliche Tätigkeit handelt. Besondere Regelungen gelten nur für sog. Kleinunternehmer.