Durchgriffshaftung

Die Durchgriffshaftung ist eine der wenigen Ausnahmen bei einer juristischen Person (GmbH, AG, UG haftungsbeschränkt, Verein), wo die Organe bzw. Mitglieder persönlich, unbeschränkt und gesamtschuldnerisch mit ihrem eigenen Privatvermögen für Verbindlichkeiten der Gesellschaft oder des Vereins haften. Eine (echte) Durchgriffshaftung des Gesellschafters einer

ist nach der Rechtsprechung dann zulässig, wenn die Berufung auf die Selbständigkeit der juristischen Person gegen Treu und Glauben gem. § 242 BGB verstoßen würde. Es handelt sich um Einzelfälle mit klar umgrenzen Voraussetzungen und Rechtsfolgen, wie z.B. der existenzvernichtende Eingriff eines beherrschenden Gesellschafters in die GmbH.

1. Echte Durchgriffshaftung

Entsprechende Fallgruppen wurden durch die Rechtsprechung und Literatur entwickelt. Hier wird den Gesellschaftern einer GmbH oder Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) in bestimmten Fällen ausnahmsweise das Privileg der Haftungsbeschränkung auf das Unternehmensvermögen der Gesellschaft entzogen, so dass diese wie die Gesellschafter einer Personengesellschaft unbeschränkt mit dem eigenen Privatvermögen für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft haften.

Die bekanntesten Anwendungsfälle lassen sich wie folgt darstellen:

  • Vermögensvermischung zwischen Privatvermögen und Gesellschaftsvermögen,
  • Bewusste Unterkapitalisierung einer Kapitalgesellschaft zum Zwecke der Schädigung von Gläubigern,
  • Existenzvernichtender Eingriff wegen objektiven Missbrauchs der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft.

2. Unechte Durchgriffshaftung

Bei der unechten Durchgriffshaftung wird eine Haftung der Gesellschafter einer GmbH oder Unternehmergesellschaft vertraglich vereinbart, beispielsweise durch eine Bürgschaft für ein Darlehen der Gesellschaft.