Basel II

Basel II bezeichnet die Gesamtheit der Regelungen, die vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht in den letzten Jahren empfohlen und in den teilnehmenden Ländern umgesetzt wurden. In den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union müssen gemäß den EU-Richtlinien 2006/48/EG und 2006/49/EG seit dem 1. Januar 2007 alle Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute die Eigenkapitalvorschriften gem. Basel II umsetzen.

Im einzelnen geht es darum, mit wie viel Eigenkapital Kreditinstitute ihre Kredite an Unternehmen und Privatleute unterlegen müssen. In Deutschland erfolgte die Umsetzung dieser EU-Richtlinien durch das Kreditwesengesetz, die Solvabilitätsverordnung und die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk).

Basel II basiert auf folgendem Drei-Säulen-Konzept:

1. Mindestkapitalanforderungen
2. Staatliche Bankenaufsicht
3. Marktdisziplin

1. Mindestkapitalanforderungen

Während früher Kredite der Banken pauschal mit 8% Eigenkapital unterlegt werden mussten, orientieren sich die Anforderungen an das Eigenkapital-Fundament seit 2007 an den Risiken der Bank bei Ausgabe des Darlehens und somit in erster Linie an der Bonität des Kreditnehmers. Je besser die Bonität des Kreditnehmers, desto weniger Eigenkapital benötigt die Bank. Ein schlechtes Rating des Kreditnehmers wird die Kreditkosten erhöhen und die Kreditgewährung erschweren.

Folgende Risiken werden bei der Beurteilung berücksichtigt:

a) Kreditausfallrisiko

Das Kreditausfallrisiko wird anhand eines internen oder externen Ratings bestimmt. Ein externes Rating existiert in der Regel nur für Länder und große Unternehmen und wird beispielsweise von einer Ratingagentur wie Standard & Poor’s, Moody’s oder Fitch Ratings vorgenommen. Beim internen Rating bewertet die Bank das Kreditausfallrisiko selbst. Für Privatkunden exisitiert hierfür ein vereinfachtes Verfahren, das sog. Scoring.

b) Marktpreisrisiko

Das Marktrisiko umfasst unvorhergesehene Einflußfaktoren, die das Ergebnis der Bank negativ verändern könnten, z.B. Wechselkurse, Zinssatz sowie alle anderen Änderungen von Preisen des Geldmarktes.

c) Operationelles Risiko

Das operationelle Risiko berücksichtigt direkte oder indirekte Verluste infolge unzulänglicher oder ausfallender interner Verfahren, Mitarbeiter und Systeme oder infolge bankexterner Ereignisse.

2. Staatliche Bankenaufsicht

Säule 2 bildet die Staatliche Bankenaufsicht, die für die laufende regelmäßige Überprüfung der angeschlossenen Banken hinsichtlich der Einhaltung der Mindestkapitalanforderungen zuständig ist. In Deutschland wird die Bankenaufsicht durch die BaFin gemeinsam mit der Deutschen Bundesbank ausgeübt.

3. Marktdisziplin

Säule 3 bildet die Marktdisziplin durch eine erweiterte Offenlegungspflicht der Banken im Interesse einer maximalen Transparenz des Kreditgeschäfts der Banken. Ziel der dritten Säule ist die Stärkung der Marktdisziplin durch umfangreiche Offenlegungspflichten (z. B. im Jahresabschluss, in Quartalsberichten oder in Lageberichten).